Kreuzfahrtschiffe & Umwelt

Die Umweltverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe ist immer mal wieder ein Thema in den Medien. Grund dafür ist in erster Linie der Schadstoffausstoß durch die Abgase. Dabei sind Feinstaub und Ruß ein weitaus größeres Problem als z. B. der CO2 Ausstoß – vor allem in den Häfen.

Leider ist die Darstellung in manchen Berichten völlig übertrieben und vermittelt einen total falschen Eindruck! Was nicht von der Hand zu weisen ist:

Es gibt immer noch Kreuzfahrtschiffe, die ohne jedwede Abgasreinigungstechnik fahren – und zwar mit billigem Schweröl. Im Grunde ist das – etwas böse formuliert – Sondermüll, der dreckige Rest, der am Ende in der Raffinerie übrig bleibt. Man muss das Zeugs auf 40 bis 60 °C vorwärmen, damit es überhaupt einigermaßen flüssig wird und gepumpt werden kann. Bei der Verbrennung entstehen erheblich mehr Schadstoffe (z. B. Ruß, Stickoxide), als z. B. bei einem Auto mit Dieselmotor. Dazu kommt: Wenn Schweröl in die Umwelt gelangt (z. B. bei einem Unfall), können gravierende Schäden entstehen.

Die Umweltverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe ist also erheblich – zumindest sofern (!) diese mit Schweröl, dafür aber ohne Abgasreinigungstechnik (z. B. Scrubber, etc.) fahren.

Sollte man deshalb auf Kreuzfahrten verzichten oder diese sogar gänzlich verbieten? Das klingt erst mal naheliegend. Allerdings würde das der Umwelt unterm Strich sogar mehr schaden als nutzen, denke ich. Warum das so ist will ich Dir nachfolgend näher erläutern:  

Kreuzfahrt Umwelt News

Hier habe ich mal angefangen, Medienberichte und Pressemeldungen der Reedereien zum Thema Umweltschutz und Kreuzfahrt zusammenzutragen. So kann man sehen, wie sich die Dinge entwickeln… ;-)

Das sollte man wissen!

Manche Darstellungen sind übertrieben, andere meiner Meinung nach falsch:

Umweltbelastung durch Schiffsverkehr

Was eher selten im Focus der Berichte steht: Es gibt nur etwa 300 Kreuzfahrtschiffe weltweit – aber ca. 40.000 (!!) Handelsschiffe, die ebenfalls zum größten Teil mit Schweröl angetrieben werden. Selbst der völlige Verzicht auf Kreuzfahrten würde Global gesehen die Umweltbelastung kaum reduzieren und so gut wie nichts bringen.

Es steht natürlich außer Frage, dass sich hier etwas ändern muss! Allerdings ist das ewige „rumhacken“ auf den Kreuzfahrt-Reedereien für mich nicht mehr nachvollziehbar:

Kreuzfahrt Urlaubern – vor allem aus Deutschland – ist Umweltschutz keines Falles egal. Das wissen auch die Reedereien. Deshalb sind gerade die Kreuzfahrt-Unternehmen treibende Kraft in Sachen Umweltschutz auf See:

Etwa 15 Frachtschiffe waren von AIDAprima aus auf dem Weg nach Rotterdam zu sehen.

Ca. 15 Frachtschiffe auf dem Weg nach Rotterdam.

 „Dennoch bereitet sich die maritime Branche auf den flächendeckenden Einsatz von LNG auf allen gängigen Schiffstypen vor. Pionier dabei sind die Kreuzfahrtreedereien. Ihre Schiffe haben einen besonders hohen Stromverbrauch, und ihre Kundschaft ist besonders kritisch.“ (Quelle: WELT.DE)

Die Verwendung von LNG (Flüssiggas) als Treibstoff ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Bei der Verbrennung entstehen erheblich weniger Schadstoffe, als dies bei Diesel oder gar Schweröl der Fall wäre. 

Sollte man wirklich die abstrafen, die sich um eine Verbesserung der Umweltbilanz bemühen? Sicher nicht. Ohne die Kreuzfahrtschiffe wäre die Umweltbelastung durch Schiffsverkehr wahrscheinlich kaum jemandem bewusst!

Der eigentliche Skandal sind die meiner Meinung nach die viel zu laxen Umweltgesetzte: Die Reedereien (Kreuzfahrt und Fracht!) handeln LEGAL! Konkurrenz- und Kostendruck motivieren nicht geraden, FREIWILLIG mehr zu tun, als unbedingt nötig.

Über einen Tanklastzug kann AIDAprima im Hafen mit LNG betrieben werden.

AIDAprima & AIDAperla können in den Häfen LNG verfeuern.

Inzwischen (Juli 2018) kommt richtig Bewegung in die Sache: Bis zu den ersten „Green Cruising“ Angeboten ist es wohl nicht mehr weit. Mit AIDAnova gibt es Ende 2018 z. B. das weltweit erste Kreuzfahrtschiff auf dem Markt, welches komplett mit LNG betrieben werden kann und daher gute Chancen auf eine Art „maritimen Umweltengel“ haben dürfte! AIDA hat bereits zwei Schwesterschiffe bestellt, die 2021 und 2023 in See stechen sollen. Jeweils zwei Schiffe dieser Klasse (Helios-Klasse) haben Costa Crociere, Carnival Cruise Lines und P&O Cruises bei der Meyer Werft in Papenburg geordert. Auch Disney Cruise Line hat inzwischen drei und Royal Royal Caribbean International zwei neue Schiffe mit LNG Antrieb in Papenburg bestellt. Tui Cruises zieht jetzt nach und gibt zwei LNG-Neubauten bei Fincantieri in Italien in Auftrag. Sicher gibt es noch weitere Schiffe / Reedereien, die auf LNG setzen bzw. es zukünftig tun werden.

Schadstoffausstoß Kreuzfahrtschiff – wie schlimm ist es wirklich?

Leider gibt es immer wieder Übertreibungen, was den Schadstoffausstoß der Kreuzfahrtschiffe betrifft. Man liest z. B. häufig Sätze wie „Ein Kreuzfahrtschiff bläst so viele Abgase in die Luft, wie fünf Millionen Autos auf gleicher Strecke!“ oder „Die 15 größten Schiffe machen mehr Dreck als alle Autos der Welt zusammen.“ Dieser Unfug wird immer noch verbreitet und zeichnet ein völlig falsches Bild! Aber wo kommt das her?

Der NABU hat für das Jahr 2012 in einer Tabelle die Luftschadstoffemissionen von Kreuzfahrtschiff und PKW verglichen:

https://www.nabu.de/downloads/TabelleVergleichKreuzfahrschiff_Pkw.pdf

Diese Darstellung scheint allerdings – sagen wir mal vorsichtig – die eine oder andere Schwäche zu haben, wie man hier nachlesen kann:

https://hs-flensburg.de/mz/Schiffsemissionen-NaBu-Rechnung.pdf

Im Artikel „Kreuzfahrt mit Schwefel – Der Wahrheitscheck in der Wirtschaft: Verursachen die 15 größten Seeschiffe mehr Dreck als alle Autos der Welt? (Zeit Online vom 30. August 2017)“ wird das sehr gut erklärt und beschrieben. Die wichtigsten Zitate aus dem Artikel:

„Ein Kreuzfahrtschiff macht so viel Dreck wie fünf Millionen Autos, heißt es dann. Das ist genauso falsch wie die These, die der Nabu aus den eigenen Zahlen ableitet. Für das Vergleichsjahr 2012 geht es dort nämlich gar nicht um „Schadstoffe auf gleicher Strecke“, sondern um „Schadstoffe pro Tag“. Und pro Tag legt ein durchschnittliches Kreuzfahrtschiff mehrere Hundert Kilometer zurück, ein deutsches Auto aber nur 36. Dabei transportiert das Auto im Schnitt 1,5 Menschen, ein großes Kreuzfahrtschiff aber bis zu 9.000. Bezogen auf die Passagierkilometer schrumpft die Vergleichszahl von fünf Millionen auf weniger als hundert. Hundertmal mehr Schadstoffe – auch das wäre ein krasser Unterschied. Allerdings interpretiert der Nabu seine eigenen Zahlen falsch.“

„Und pro Passagier oder nach transportiertem Gewicht erzeugt kein Verkehrsmittel weniger CO₂ als ein Schiff.“

Es ist also bei weitem nicht so schlimm, wie es in manchen Berichten dargestellt wird. Außerdem gibt es große Unterschiede: Bei einigen neuen Schiffen wurde der Schadstoffausstoß durch verschiedene Maßnahmen erheblich reduziert. Es sind eben nicht alle Kreuzfahrtschiffe in gleichem Maße Umweltsünder!

Kreuzfahrt in einer Rauchwolke?

Wenn man sich die Bilder z. B. in den folgenden Artikeln anschaut…

… fällt auf, dass immer wieder das gleiche Schiff mit der gewaltigen Abgasfahne zu sehen ist. Da könnte man ja den Eindruck gewinnen, man würde als Kreuzfahrt-Gast dauernd in einer Abgaswolke reisen. Persönlich habe ich andere Erfahrungen gemacht – zumindest soweit es AIDA betrifft. Auf unseren Kreuzfahrten hat das so ausgesehen:

Es sind keine Abgase aus dem Schornstein erkennbar.

AIDAperla im Hafen von Mallorca. Es sind keine Abgase sichtbar.

Bei zwei Kreuzfahrtschiffen ist die Abgasfahne zu erkennen.

Andere Schiffe im Hafen von Mallorca. Bei beiden kann man Abgase erkennen. Dicke, schwarze Rauchwolken sucht man auch hier vergeblich.

Es sind keine Abgase zu erkennen.

AIDAmar im Hafen von St. Petersburg. Es sind keine Abgase sichtbar.

Starker Rauch aus Schiffsschornstein im Hafen.

Schiff im Hafen von Civitavecchia. Ich kann jeden verstehen, der sowas NICHT vor seiner Haustür haben will!

Die Abgase sind deutlich sichtbar - aber weit von dickem, schwarzen Rauch entfernt.

AIDAaura gehört zu den ältesten Schiffen der AIDA-Flotte. Das war bisher die stärkste Rauchentwicklung. die ich auf einer AIDA gesehen habe (Aufnahme von 09/2016). Die Nachrüstung mit einer Abgasreinigungsanlage ist geplant.

Diese Schiff verfügt wahrscheinlich nicht über eine Abgasreinigungsanlage.

Ob hier wohl Abgase gereinigt werden? Sieht nicht danach aus!

Schwarzer Rauch? Fehlanzeige...

Auch auf AIDAsol ist mir in Bezug auf die Abgase nichts negativ aufgefallen.

Auch während der Fahrt kein schwarzer Rauch zu sehen.

AIDAperla auf See.  Auch während der Fahrt sind keine Abgase zu sehen.

Feinstaubmessungen

Es werden auch immer mal wieder sehr hohe Feinstaubkonzentrationen gemessen. Ein Beispiel findest Du im Video vom NABU vom 06.05.2016 (!). Damals wurden während der Vorbeifahrt der AIDAprima Feinstaubwerte von 158.000 bis 166.000 angezeigt. Ich kann nicht beurteilen, wie aussagekräftig diese Messung ist. Kann z. B. ausgeschlossen werden, dass die große PRIMA ggf. auch die Abgaswolke eines vorausfahrenden Schiffes an Land drückt? AIDA bezieht auch in der Pressemitteilung vom 29.08.2016 Stellung zu den NABU Messungen: *Pressestatement zum NABU Kreuzfahrtranking 2016

Durch folgenden Vergleich relativieren sich die Zahlen: Wußtest Du, dass Kaminöfen und Holzheizungen in Deutschland mehr Feinstaub in die Luft blasen, als der komplette Straßenverkehr? Von über 18.000 Tonnen ist im Beitrag vom WISO vom 11.12.2017 die Rede. Dort wird auch eine Feinstaubmessung duchgeführt, anscheinend sogar mit dem gleichen Meßgerät: Bei Minute 02:52 kann man einen Wert von 88.900 bzw. 118.000 ablesen – und zwar IN der Wohnung!

Sich dauerhaft in so einer Wohnung aufzuhalten ist wahrscheinlich auch nicht gerade gesund. Vermutlich ist man auf einem Kreuzfahrtschiff dann doch besser aufgehoben: Da muss der Wind schon sehr lange sehr ungünstig stehen, um auf eine solche Belastung zu kommen, denke ich… ;-)

Apropos AIDAprima: 
Das Schiff verfügt über ein umfangreiches Abgasreinigungssystem (EGCS = Exhaust Gas Cleaning System). Das System wurde neu entwickelt. Die technische Zulassung ist bereits erfolgt. Zum Zeitpunkt der Messung durch den NABU (Mai 2016, also kurz nach der Indienststellung) durfte AIDA die Anlange aber noch gar nicht einsetzen, weil die Zulassung durch die EU noch nicht vorgelegen hat. Bekanntlich hat sich die Fertigstellung der AIDAprima erheblich verzögert. Die Mitsubishi-Werft hat durch den Bau von AIDAprima und AIDAperla einen Verlust von ca. 740 Mio. Euro hinnehmen müssen. Das vor dem Hintergrund kurz nach der Inbetriebnahme noch eine Zertifizierung fehlt, wundert mich wenig…

Maritime Umweltzonen – Emission Control Areas 

Seit mehr als 10 Jahren gibt es jetzt sogenannte Emission Control Areas (ECAs). Das sind Sonderzonen der Schifffahrt, in denen besondere Beschränkungen für den Schadstoffausstoß von Schiffen gelten. Dazu gehören z. B. die Nord- und auch die Ostsee.

Aufgrund der hier geltenden Grenzwerte müssen die Schiffe entweder Marinediesel statt Schweröl verwenden oder Abgasentschwefelungsanlagen (Scrubber) einsetzen. Da nicht in jedem Schiff der nachträgliche Einbau eines Scrubbers möglicht ist (sei es aus technischen oder finanziellen Gründen), dürften die meisten Schiffe in den ECA-Regionen folglich auf den Einsatz von Schweröl verzichten.

Dafür gibt es natürlich bei weitem noch keinen Umweltengel. Wenn manche Beiträge aber den Eindruck erwecken, „alle“ Kreuzfahrtschiffe würden praktisch „überall“ Schweröl verfeuern, dann ist das so nicht ganz richtig… ;-)

Das NABU Kreuzfahrt-Ranking 2017

Der NABU erstellt jedes Jahr ein Ranking in Bezug auf die Umweltbilanz der Kreuzfahrtschiffe. Für jede Maßnahme, die über das gesetzlich vorgeschriebene hinausgeht (!), können die Schiffe Punkte in Form von grünen Schiffsschrauben erlangen. Über die Bewertungskriterien kann man sicher geteilter Meinung sein… AIDA hat am 05.09.2017 ein *Pressestatement zum NABU Kreuzfahrtranking 2017 abgegeben.

Die am besten bewerteten Schiffe (Top 11) in 2017 sind

  • TUI Mein Schiff 3/4/5/6
  • Hapag-Lloyd Europa 2
  • AIDAprima / AIDAperla
  • AIDAsol
  • Hapag-Lloyd Bremen / Hanseatic / Europa

Man darf gespannt sein, wie das NABU Kreuzfahrt-Ranking 2018 ausfallen wird…

Fazit

Nach fast 100 Tagen an Bord von AIDA Schiffen ist mir nur ein einziges Mal eine Belästigung durch Schiffsabgase aufgefallen. Allerdings stammten die von einem vorbeifahrenden Frachter und nicht vom Kreuzfahrtschiff selbst!

Natürlich kommt auch bei AIDA keine heiße Luft aus den Schornsteinen. Nur sollte man die Kirche im Dorf lassen und die Darstellungen nicht völlig übertreiben. Auf zunehmend mehr Kreuzfahrtschiffen wurde der Schadstoffausstoß bereits erheblich reduziert, weitere werden mit Abgasreinigungstechnik nachgerüstet und zukünftig werden immer mehr Schiffe mit LNG fahren.

Statt Kreuzfahrten generell zu verteufeln erscheint ist mir sinnvoller, Reederei, Schiff und Route auch in Bezug auf Umweltaspekte sorgfältiger auszuwählen. Die „wahren Umweltsünder“ unter den Kreuzfahrtschiffen kann man ja meiden. 

Wenn die Reedereien merken, dass die Nachfrage nach umweltfreundlichen Kreuzfahrtschiffen zunimmt, werden sie reagieren. Sollte die Nachfragen nach Kreuzfahrten auf veralteten „Dreckschleudern“ nachlassen, dann wird auch das Wirkung zeigen.

Ich denke, erst durch die Kreuzfahrtschiffe ist das Thema Umweltschutz in den Focus gerückt. Durch die Pionierleistungen der Kreuzfahrt-Reedereien (technische Entwicklungen, Aufbau von Infrastruktur z. B. für LNG, etc.) bestehen gute Chancen, dass auch im Frachtschiffbereich Verbesserungen erzielt werden und die Umweltbelastung durch Schiffsverkehr zurückgehen wird.

Ist die Technik und Infrastruktur (LNG, Landstrom, etc.) erst einmal vorhanden, wird sich bestimmt auch in der Frachtschifffahrt etwas zum Positiven verändern.

Als Kunde der Reedereien hat man also durchaus erheblichen Einfluß auf die Verbesserung der Nachhaltigkeit in Sachen Umweltschutz. Wer kein Kunde ist… ;-)